In guten wie in schlechten Tagen
6 05 2008
Ich habe es wohl schon ausreichend oft klar gemacht, ob ihr es nun hören wolltet oder nicht: Ich bin verliebt. In Tromsø.
Meine Liebe zu Berlin ist von eher verwandtschaftlicher Qualität, man kennt sich schon ewig, ist zusammen groß geworden, schätzt einander und nimmt kleine Makel des anderen in Kauf. Auch wenn man sich mal eine Weile nicht sieht, weiß man, dass man jederzeit zurückkommen kann, dass der andere für einen da sein wird und einen nie fragen wird, wo man gewesen ist. Und nach langen Jahren des Zusammenlebens musste ich eben mal raus.
Dann kam Oslo und es musste sich sehr um mich bemühen. Bei unseren ersten beiden Zusammentreffen hatte es keinen besonders guten Eindruck hinterlassen und dieser Rückstand war schwer aufzuholen. Doch es warf all seine Bildung, seinen Charme und nicht zuletzt seine Schönheit in die Waagschale, um mich zu gewinnen. Und siehe da, schließlich entwickelte ich doch noch eine gewisse Zuneigung zu Oslo und es dankte es mir mit unvergesslichen Erlebnissen.
Aber Tromsø, das war Liebe auf den ersten Blick, in ihrer reinsten und umwerfendsten Form. (Vergleichbar vielleicht nur mit Katharina und ihrem Linux…) Die Annäherung, das Aufwachen nach der ersten gemeinsamen Nacht – alles perfekt, traumhaft. Wie oft musste ich mich in den darauffolgenden Monaten selbst kneifen! Wie oft stand ich da und dachte: Das kann nicht sein, so etwas unglaublich Schönes hab ich doch gar nicht verdient! Und ich lächelte verklärt und Tromsø lächelte zurück, nahm meine Hand und zeigte mir neue Wunder.
Nun ist es ja aber so, dass man irgendwann der Realität ins Auge blicken muss. Spätestens, wenn aus einer leidenschaftlichen Affaire eine ernsthafte Beziehung werden soll, muss man die rosarote Brille absetzen und sich den Tatsachen stellen. Niemand ist perfekt und man sollte besser herausfinden, ob man mit den Fehlern des anderen leben kann, ehe man ein gemeinsames Leben auf falschen Hoffnungen aufbaut. Ja, und das hab ich dann heut mal gemacht. Ich hab mir Tromsø von seiner hässlichsten Seite angesehen, an einem seiner schlechten Tage. Ich habe es nicht vorgewarnt, ich habe mich nicht zurückgehalten, ich habe erbarmungslos dokumentiert. Und was soll ich sagen? Auch nach einem dreistündigen Spaziergang im Niesel, durch dreckigen Schnee, über matschige Wege und schlammige Hügel, entlang fußwegloser Hauptverkehrsstraßen, obwohl komplett durchnässt und verfroren, bin ich Tromsø treu ergeben. Ja, es hat mir sein wahres Gesicht gezeigt – und dabei nichts von seinem Charme verloren.
Doch genug der Worte. Seht selbst!

Die Phrase “bis über die Knie im Schnee stecken” verliert etwas an Schärfe, wenn man den Winter in Tromsø verbracht hat. Aber mal ehrlich, wann ist euch das zum letzten Mal passiert? Und wann schon mal im Mai?


Erde









Luft



Wasser



…und andere seltsame Dinge


Hach, wer könnte diesem Ort nicht verfallen? (Naja, vielleicht nicht grad dem Elektromüll…)


