Das Reisen ist der bekloppten Berlinerin zu Kopf gestiegen

5 08 2008

Bereits vor einigen Wochen hatte ich in weiser Voraussicht einen Termin beim Fahrradspezialisten meines Vertrauens gemacht. Für gestern. Mein Rad sollte vor der langen Tour nochmal überholt werden – und damit meine ich nicht, dass jemand daran vorbeifahren sollte.

Als ich das arme kleine Ding aus dem Keller holte, quietschte es ganz erbärmlich und ließ sich mangels Luft auf den Reifen kaum noch schieben. Also erstmal zur Tanke, aufpumpen, und dann ratternd ins Fahrradgeschäft. Ich sage, was ich will, der Typ sagt, was nötig ist und der Kostenvoranschlag liegt bei über 200 €, mit einer nicht unwesentlichen Gefahr der Erhöhung auf 300, da mit der Kette nicht selten auch die Zahnkränze getauscht werden müssen. Mmh, sag ich, was sein muss, muss wohl sein. – Ja, sagt er, aber es ist wie beim Auto, wenn die Reparaturen irgendwann den Kaufpreis übersteigen, wird es Zeit für ein neues.

Da hat er natürlich nicht Unrecht und daher, um es kurz zu machen, habe ich jetzt ein neues Fahrrad. Es ist schon beinahe obszön bequem und hat allerhand interessante Eigenschaften, von denen ich noch nicht mal zu träumen wagte. Zum Beispiel eine Nabenschaltung und damit einhergehend eine komplett umschlossene Kette. Das ist so ziemlich das Gegenteiligste, was mir nach dem Mountainbike in Tromsø passieren konnte, wo ich aller 500 Meter die Kette neu aufziehen musste. Es hat auch einen Nabendynamo und eine wahnsinnig tolle Lichtanlage. Und einen fetten Gepäckträger. Und eine schön laute Klingel, nicht so wie mein altes. Alles in allem ein perfektes Rad, denke ich. Ob ich damit so schnell vorankomme, wie mit meinem alten, wird sich weisen müssen, es fährt sich schon ein bisschen cruisermäßig… Der einzige wirkliche Nachteil ist, dass es nicht rot ist. Hatte ich mir doch für mein nächstes Rad vorgenommen. Aber mattes Schwarz tut’s auch, nehm ich an.

Ja, das war dann auch mein restliches Erasmus-Geld. Eine sinnvolle Investition, oder möchte da jemand protestieren?

Ansonsten war ich natürlich gestern bei GWSW im „Sommanachtstaraum“ und danach Lahmacun essen – hach, welch Befriedigung für meinen Gaumen, der diese typische Nachtlebenfreude so lange entbehren musste. Danach noch ein bisschen Sekt und Tratsch mit dem Fösch, der auch sich auch gerade noch in meinem Bett wälzt, obwohl er mir banana pancakes versprochen hat. Der Versuch, meine Fotos auf den PC zu laden, scheitert derzeit noch am mangelnden Kabel, nicht funktionierenden Kartenleser und nicht näher zu definierenden Problemen beim Versuch, sie mit Hilfe der alten Kamera rüberzuziehen. Aber ich bin dran.

Nachher geht’s dann wohl ins große, tolle Alexa, noch ein bisschen Zeug für die Tour einkaufen, dann muss ich mich mit allerhand Leuten treffen und immer noch eine halbe Million Dinge organisieren und dann ist wohl auch gleich schon wieder Mittwoch und ich habe noch immer keinen Plan, wie ich fahren soll.

Ach so, schickt mir eure Adressen, wenn ihr Postkarten von mir haben wollt! Ich schreibe möglicherweise auch wahllos an Unbekannte, also immer her damit. Es handelt sich nämlich dabei um ein tolles, neues Projekt, eine alternative Blogform quasi, und ihr könnt live dabei sein.

Gut, es ist jetzt dreiviertel zehn und ich muss schleunigst in die Gänge kommen! (Acht Stück hat mein neues Rad davon übrigens, klingt wenig, reicht aber angeblich. Ich sag nur nochmal: Nabenschaltung!)


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3 Antworten

5 08 2008
Katharina

Nabenschaltungen und eingepackte Fahrradketten sind super!
Ein Wermutstropfen vielleicht: Das Fahrradgefühl (kettenölverschmierte Finger, lautes Fluchen, unbändiger Wunsch die Kettenschaltung samt allem was dazugehört in den nächstbesten Fluss zu werfen) – ja, dieses Gefühl, das könntest du eventuell vermissen… ;)

5 08 2008
mama

und was ist mit dem schönen alten rad passiert, etwa unentgeltlich entsorgt
die bösen buben bauen es wieder auf und verkaufen es teuer. war schließlich auch ein gutes (nicht billiges) gefährt. das arme ding, es wußte schon warum es quietschte , es wollte auf sich aufmerksam machen nachdem es ein jahr im keller verbringen mußte. ach die menschen sind herzlos!?

5 08 2008
Ella Shzzzq

Das alte Rad lebt und erhält das Fahrradgefühl aufrecht. Wird wohl noch ein paar Mal als Fortbewegungsmittel in der Stadt dienen dürfen, dort wo es gefährlich ist für so junge und unerfahrene Räder, wo garstige Diebe ihr Unwesen treiben und man ständig in Todesgefahr schwebt.

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